Coole Musik

Hier ein paar Stücke von deutschen Bands, die ich momentan gut finde*:

* Die Hyperlinks führen direkt zu den Musiktiteln bei iTunes, wo man erst mal reinhören kann.

  • Erdmöbel, "Das Beste von Osten" (Album "Erste Worte nach Bad mit Delfinen") - Wunderbar grooviges, melodiöses, witziges Lied. Erdmöbel at its best. Schrammelig, dadaesque ist auch "Wie weit willst Du gehen" (Album "Das Ende der Diät").
  • Mine, "Ziehst du mit" (Album: Mine) - Der Groove. Das Vibrato. Die Frau. Der Hammer.
  • Spaceman Spiff, "Teezeit" (Album: Endlich Nichts) - Wunderbar harmonischer Wohlfühlgitarrenliedermacherpop mit intelligenten, leicht versponnenen Texten.
  • Finn, "1000 Sonnen" (Album: Wie weit) - Das schönste deutschsprachige Album des kommenden Sommers, da wette ich! Finn hat eine Stimme, die an Clueso erinnert, er singt aber keinen Hip-Hop, sondern sanfte Lieder, voller Romantik und urbaner Melancholie. Manchmal wird es dann auch bombastisch, aber nie klischeehaft. Schön.
  • Dota, "Hoch oben" (Album: Wo soll ich suchen) - Dota Kehr entwickelt sich zur deutschen Joni Mitchell! Hübschere, klügere, eingängigere Lieder kann es kaum geben. Der Song "Hoch oben" lässt einen hinwegschmelzen, ja man ist den Tränen nahe. Das ganze Album ist fantastisch, wobei nicht nur die kristallklare, zarte und doch kräftige Stimme von Dota begeistert, sondern auch jeder Ton ihrer Begleitband. Das ist Popmusik auf höchstem Intelligenzniveau.
  • Nörd, "Rette mich wer kann" (Album: Na und, wir kennen euch doch auch nicht) - Wunderschön melodiöser Tanzspaß mit Ohrwurmqualitäten. Ein absoluter Sommerhit.
  • Sedlmeier, "Regionalexpress" (Album: Melodien sind sein Leben) - Rauher, 3 Riffe gesteuerter Küchenrock mit herrlich absurdem Sprechgesang. Hört sich ein bisschen wie ein Verschnitt von DAF und The Smiths an, nur viel lässiger.
  • Blockflöte des Todes, "Amandy Ziller" (Album: Fifty Shades of Earl Grey) - Schon für Bandnamen und Albumtitel müsste man die Musiker lieben, die Lieder sind dann unaufgeregt, leicht absurd und schlüpfrig ("Neunzehnachtundsechzig wurde die Neunundsechzig entdeckt").
  • Mia., "Brunowitzjacke" (Album: Biste Mode) - Harter Elektro-Beat, laut zu hören. Auf anderen Stücken singt Mia auch, tolle Stimme, mir aber ein bisschen zu lautes Rockweib.
  • Vierkanttretlager, "Mein Ruf" und "Schluss aus raus" (Album: Die Natur greift an) - Wenn man mal in aufgekratzter Stimmung ist, vielleicht die Sau raus lassen will beim Abtanzen, dann ist das genau die richtige Mucke - Indierock mit leicht selbstironischem Tiefgang.
  • Cäthe, "Hallelujah" (Album: Vagabund) - Powerfrau mit Powerstimme, toller deutscher Indierock.
  • Max Prosa, "So lang ich darf" (Album: Rangoon) - Prosa gilt so als aufsteigender Stern der deutschen Liedermacher - ich finde, er nimmt sich ein bisschen zu ernst (zu viel Weltschmerz), aber manche Songs sind dann doch einfach schön.
  • Michael Krebs, "Das Mädchen von der jungen Union" (Album: Die Singles, Vol. 1) - Bösartig witziger Song über den guten Sex, den man mit diesem und anderen Mädchen von "der anderen Seite" haben kann (Hörprobe: "Das Mädchen von der jungen Union, ja die weiß wohin mit meiner Erektion").
  • Eric Pfeil, "Himmelwärts" und "Marzipan in Michigan" (Album: Die Liebe, Der Tod, Die Stadt, Der Fluss) - Herrlich harmlose Wohlfühlmusik mit geistreichen Texten, bisschen im Stile von Erdmöbel. Pfeil sagt über sich selbst, er spiele wie die Ramones, nur könne er zwei Akkorde mehr.
  • Chris Imler, "Nervös" (Album: Nervös) - Wahnsinnig komisches Zusammentreffen eines irgendwie sehr altmodisch klingenden Sprechgesangs (mit gerolltem "r") und einem abgedrehten Elektro-Groove.
  • Alligatoah, "Willst du (Steroids Remix)" (Album: Willst du (Video Version)) - Harter Dubstep mit sich selbst veräppelndem Rapgesang drauf. Muss man seeeehhhr laut hören. Dann fliegt die Decke weg und der Boden sinkt tiefer.
  • Die Höchste Eisenbahn, "Aliens" (Album: Schau in den Lauf Hase) - Beschwingte, melodiöse zweite Neue Deutsche Welle, mit ein bisschen Geigenmelancholie im Hintergrund. Für die jungen Seelen, die sich sehnen...
  • Alin Coen Band, "Abschied" (Album: Heute hier, morgen dort - Salut an Hannes Wader) - Die hübsche Frontfrau Alin Coen hat eine Stimme zum Niederknien! Und zwar gleichermaßen in deutsch wie in englisch. Hauchzart und doch stark. Herrlich auch "Alles was ich hab" (gleichnamiges Live-Album).
  • Friedrich Liechtenstein, "Supergeil" (Album: Der Tourist) - "Superathmo, Superlaune, Superparty, Supergeil / Superurlaub, Superwetter, Supersommer, Supergeil / Superätzend, Superhäßlich, Superheftig, Supergeil / Superhorny, Supersporty, Supergeil /" ... - so geht das Minuten weiter, man fühlt sich total erkannt, mehr Kommentar zum Zeitgeist braucht niemand. Und dann alles in dieser sonoren, verrauchten Altmännerstimme gesungen und das "s" von "super" genau mittig zwischen scharfem und weichem "s" intoniert, unnachahmlich!
  • GLORIA, "Wie sehr wir leuchten" und "Die Zeit ist um" (Album: Gloria) - Herrliche Ohrwürmer gesungen und geschrammelt von Klaas Heufer-Umlauf (bekannt aus dem berlinesque-hippen Fernsehduo Jokko und Klaas), der sich mit dem Ex-Wir sind Helden Bassisten Mark Tavvasol zusammengetan hat.
  • Maxim, "Hier" (Album: Staub) - Ähnlich wie Clueso, Max Herre oder Philipp Poisel ein typisch deutscher HipHop - eher Sprechgesang: sehr melodisch, ein bisschen wehmütig, harmlos dadaistischer Text.
  • Keimzeit, "Im Nachtzug nach Sofia" (Album: Kolumbus) - Keimzeit ist eine richtig nette Liedermacherband, mit klugen Texten, schönen Melodien, und gar nicht "altbacken". Dieses Lied hat besonders schöne Harmonien, und ein bisschen Absurdität.
  • Textor, "Weigandufer/Wildenbruch" (Album: Schwarz Gold Blau) - ruhig-leichte Motette mit witzigem Text, fast schon in einer Qualität wie frühe Beatles Songs (Blackbird).
  • 2Raumwohnung, "Überall rein" (Album: Lasso) und "Wir trafen uns in einem Garten" (Album: Kommt zusammen) - Unnachahmlich, wie Inga Humpe hier mit ihrer elfenhaften Scheißegalstimme durch die klugen Textzeilen schliddert, getrieben von einem richtig guten, weil griffigen, melodiösen und eingängigen Rockpop. Echte Ohrwürmer, und auf der Tanzfläche stellt sich fröhliche Seligkeit ein...
  • Max Herre, "Rap ist" (Album: Hallo Welt!) - Der beste deutsche Rap, den ich je gehört habe, wirklich cool. Darin die schönste Zeile der modernen deutschen Lyrik: "Die einzige Mucke bei der das was Du sagst auch verkörpern musst!..."
  • Die Sterne, "Swinging Safari" (Album: Posen) - Ein kleines Juwel aus den 1990er Jahren, weil tatsächlich ein lockerer, swingender HipHop, gesungen wie von einer deutschen Version einer amerikanischen Collegeband. Nett.
  • Wir sind Helden, "Dramatiker" (Album: Bring mich nach Hause) - Auf ihrer definitiv letzten CD laufen diese wahren Helden der zweiten Neuen Deutschen Welle um die begnadete Sängerin Judith Holofernes noch einmal zu Hochform auf. "Dramatiker" ist im Stil von Zigeunerpop, lustig, melodiös und wunderbar tanzbar.
  • Marteria, "Amy´s Weinhaus" (Album: Zum Glück in die Zukunft) - abgefahrener, tranciger Hip-Hop, nicht unintelligent, irgendwie sehr sexy.
  • Funny van Dannen, "Unterhosentattoo" (Album: Fischsuppe) - rasend komischer Lagerfeuersong, den man den ganzen Sommer im Ohr hat, und einen ab sofort über all die Tättos nur noch lachen lässt...
  • Die Ärzte, "3-Tage-Bart" (Album: Bäst of Die Ärzte) - Irgendwie finde ich deren Musik ja überbewertet, eigentlich ist es ziemlich langweiliger Deutschpop, aber ab und zu gibt´s mal ein tolles Lied, so dieses: Es hat Schwung, der Text ist frech und die Gitarrenriffs kommen heftig und zugleich melodisch. 
  • Kinderzimmer Productions, "Nie wieder gut" (Album: Wir sind da wo oben ist) - Herrlich funkiger Elektro-Rap mit intelligentem Text (nicht alle Rapper müssen Gangster-Rapper sein). Super sind auch Stücke wie "Das Gegenteil von gut ist gut gemeint" (Album: Im Auftrag ewiger Jugend und Glückseligkeit) oder "Von links nach rechts" (Album: Wir sind da wo oben ist) - intelligenter Sprechgesang zu hippig-funkig-jazziger Mucke...
  • Clickclickdecker, "Ich kenne meine Schwächen" (Album: Ich habe keine Angst vor...) - Leichtgängig sympathischer Pop, wie vom letzten Lagerfeuer-Partyabend im Sommer. Ohrwurmqualitäten.
  • Hans Unstern, "Paris" (Album: Kratz Dich raus) - Vollkommen abgefahrener dadaesquer Sprechgesang dieses verschroben wirkenden Rauschebarts, mit Tüdeldü. Momentan der ganz heiße act in Berlin...
  • Naima Husseini, "Ohne Dich" (Album: Naimi Husseini) - Klasse Rhythmus, sexy Stimme, irrwitzig technoide Schalmeienklänge...., irgendwie ein ganz anderer Pop.
  • D.A.F. (Deutsch-Amerikanische Freundschaft), "Als wär´s das letzte Mal" (Album: Gold und Liebe) - Kaum zu glauben, das Album ist fast 30 Jahre alt, aber die Stücke so komplett heute! Kein Wunder, dass das die großen Stars der Neuen Deutschen Welle Anfang der 1980er waren. Wir tanzten begeistert auch zu den unnachahmlichen Stücken "Der Mussolini" oder "Sex unter Wasser"... (Texte wie beim "Mussolini" sind heutzutage wegen der einreißenden "Politischen Korrektheit" kaum noch möglich, damals: eine Befreiung).
  • Tele, "Fieber" (Album: Wir brauchen nichts) - Eingängiger deutscher Pop, mit intelligenten Texten.
  • The Notwist, "Boneless" (Album: The Devil, You + Me) - Die echten Insider kannten diese Band wahrscheinlich spätestens seit Mitte der 1990er, für mich ist sie jetzt eine sensationelle Entdeckung: Da gibt es wohl in Weilheim (Oberbayern) seit einer Generation ein Nest von Indie-Musikern, die ihresgleichen in Deutschland suchen. Sie singen englisch, aber das ist hier vollkommen egal. Dafür die Musik...: perfekt durchkomponierter, elegisch-tranciger Elektro-Folkpop vom allerfeinsten... Hört es euch an!
  • Helge Schneider, "Gartenzaun" (Album: 22 sehr, sehr gute Lieder...) - er ist der beste! So nebensächlich selbstironisch und intelligent bekloppt kann´s sonst keiner.
  • Philipp Poisel, "Im Garten von Gettis" (Album: Bis nach Toulouse) - Sommer, Sonne, Sand in den Schuhen, Salz auf der Haut, Wind in den Haaren, das Mädchen aus Paris ist auch dabei... Unglaublich schöner Sommersong, mit ´ner Stimme von Poisel die klingt, als wäre er gerade erst aufgestanden...
  • Kettcar, "Am Tisch" (Album: Sylt) - ziemlich beknackter Text und furchtbar melancholisch das ganze, aber irgendwie doch was fürs Herz (mit Schmerz)
  • Hallo Gallo 2010, "Blinkgürtel" (Album: Blinkgürtel / Drone Schlager) - ein unglaublich groovendes Stück vom Ex-Kraftwerker Michael Rother, Gitarre, Bass und Schlagzeug, das ist alles, und der Rhythmus treibt einen in Trance...
  • Herrenmagazin, "Sowiedubist" (Album: Atzelgift) - typische Gitarrenharmonien der zweiten Neuen Deutsche Welle, wobei der Sänger mit seiner fast noch pennälerhaften Jungsstimme so herrlich wie kaum einer die "e"s schluckt, ("verschiedn", "verschlafn", "Lebn"..)
  • Clueso, "Barfuß" (Album: So sehr dabei) - wunderbarer deutscher Hip-Hop - von "Inspektor" Clueso ist eigentlich alles gut
  • Nikko Weidemann, "Sag mir wann" (Album: Schöne Schmerzen) - was für schwer Verliebte!
  • Erdmöbel, "Der Weg nach Mandalay" (Album: No. 1 Hits) - klingen wie die besten amerikanischen College-Bands klingen würden, sängen sie denn in der Sprache unseres "old fatherland"
  • Dota & Die Stadtpiraten, "Alles Du" (Album: Die Kleingeldprinzessin) - Dota war mal Straßenmusikantin, jetzt ist sie ein Abfeger auf den Bühnen Berlins, ihre klare, fröhliche Stimme ist zum Dahinschmelzen, die Texte sind herrlich klug
  • Juli, "Mit verbundenen Augen" (Album: In Love) - Musterbeispiel der zweiten Neuen Deutschen Welle, einfach schön (und so ´ne hübsche Sängerin!)
  • Stereo Total, "Wir tanzen im Viereck" (Album: Party Anticonformiste) - komplett verrückt, auch was für Freunde des französischen Akzents (très charmant!). Sehr witzig ist auch deren "Liebe zu Dritt" auf demselben Album ("Isch liebe Liebe su Drit...")

 

Aber natürlich gibt´s auch endlos viele, richtig tolle Musik aus England, Amerika, Kanada, Frankreich, Argentinien, der Schweiz, vom Balkan und Gottweißwoher...!

Aktuelles

Herrliches YouTubeVideo: How beautiful German sounds compared to other languages

Neu:

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Immer wieder gut: Coole deutsche Musik

Labsal: Schöne Wörter

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In Berlin auch direkt im Handel zu kaufen bei der Tucholsky-Buchhandlung, Mitte (Tel.: 030-2757 7663).

Der Autor, Stefan v. Senger