Wundersames Deutschland

Leseprobe aus dem Kapitel "Der Wald"

Die Jagd hat also ihre strenge Ordnung in Deutschland, ganz klar, und diese Ordnung bedeutet auch, daß die Jagd mit einem sehr alten, man kann ruhig sagen, „überkommenem“ Brauchtum und mit einer eigenen Sprache verbunden ist, die den meisten Nichtjägern merkwürdig altmodisch und vielleicht auch ein bißchen lächerlich vorkommen mag.  In der Jägerausbildung wird man sogar angehalten, mit Nichtjägern möglichst nicht im Jargon zu reden, um nicht abstoßend zu wirken.  Da spricht man dann also aus Rücksicht vor den Laien von „Hirschen“ statt vom „Damhirsch vom dritten Kopf“, man spricht vom „Trupp“ statt von einer „Rotte“ Wildschweine oder von „Ebern“ statt von „reifen Keilern“, und ein totes Wild wird „aufgeschnitten“ statt „aufgebrochen“.

Die Jäger unter sich pflegen aber diese Fachsprache und finden es ganz selbstverständlich, daß sie, altem Brauchtum folgend, dem toten Tier auf dem „Streckenplatz“ noch einen „letzten Biss in den Äser“ legen, also einen kleinen Zweig (nur Nadelholz!) in den Mund schieben.  Der „Streckenplatz“ ist die Stelle im Wald oder am Forsthaus, an der man das geschossene Wild nach einer Jagd noch einmal – auf ausgelegten Tannenzweigen - ablegt und wo man mit einigen weiteren Ritualen die Jagd abschließt.  Neben den verschiedenen Formen der Jagd an sich, ist dies vielleicht das Schauspiel, das am meisten seinesgleichen sucht:  Da nehmen nach einer Drückjagd die Schützen auf der einen, die Treiber mit ihren Hunden auf der anderen, die Waldhornbläser auf der dritten und der Jagdherr oder die Jagdherrin und sein (oder ihr) Revierförster auf der vierten Seite Aufstellung, es werden große Holzstämme zu allen Seiten des Vierecks angezündet, was für Wärme und stimmungsvolles Licht in der Abenddämmerung sorgt, und jede Wildart bekommt einen kleines Lied geblasen, wobei das der Größe und Wertigkeit nach geht, Rotwild zuerst, dann Damwild, Schwarzwild, Rehe usw.  Die Schützen werden der Reihe nach aufgerufen, die erfolgreichsten zuerst (wobei der Abschuß eines Stückes Rotwild zum Beispiel mehr gilt als der einer Wildsau – männlich immer vor weiblich) und es wird ihnen ein kleiner Nadelholzzweig auf den ausgestreckten Hut gelegt, den man dann – als Zeichen des Jagdglücks - auf der rechten Seite des Hutes hinter die Hutschnur klemmt.  Zum Schluß ziehen zum „Halali“ (was von dem französischen Ausdruck „Ah, da liegt es“ kommen soll) alle Jäger ihre Hüte und gedenken noch einmal der schönen Kreatur, der schönen Natur, dem schönen Jagdtag und freuen sich auf das „Schüsseltreiben“, also auf das Saufgelage danach.

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Der Autor, Stefan v. Senger